HSV – Umbruch: Was bedeutet das eigentlich?

Gründe für den Umbruch

Der HSV ist die letzten beiden Saisons nicht mehr in den internationalen Wettbewerb gekommen. Im vorletzten Jahr hieß es dann, dass es ein Jahr ginge, aber auf keinen Fall zwei Jahre hintereinander. Dann müsse der Gürtel enger geschnallt werden.

Der HSV verpasste zum zweiten Mal hintereinander das internationale Geschäft. Also musste gehandelt werden.

Viele HSV Spieler konnten ablösefrei den Verein verlassen. “Schuld” war auch hier das fehlende internationale Geschäft. Denn ohne Zusatzeinnahmen konnten die Verträge von den Leistungsträgern nicht verlängert werden. Demzufolge wurde gewartet und als wiederum klar war, dass es keinen internationalen Einsatz geben würde, musste man die Spieler ziehen lassen.

Ohne die Ablösebeträge, von denen der HSV in den letzten Jahren sehr gut leben konnte, fehlten neben den Einnahmen aus dem internationalen Wettbewerb nun auch die Ablöseerträge. Es fehlte an zwei Seiten Geld. Das bedeutete, dass die laufenden Kaderkosten reduziert werden musste und kein Geld für neue Spieler zur Verfügung stand.

Zudem fanden Spieler wie Trochowski, Ruud van Nistelrooy oder Zé Roberto nicht zu ihren Glanzleistungen. Ein Grund mehr die sehr hoch dotierten Verträge nicht auf Teufel komm raus zu verlängern. Trochowski konnte die in ihn gesteckten Erwartungen niemals erfüllen, Ruud van Nistelrooy war auf einem guten Wege bis Madrid rief und Zé Roberto spielte ein Drittel der Saison überragend, aber sonst fiel er ab und ging unter. Das war zu wenig.

Benjamin, Torun, Demel, Tavares, Silva waren Ergänzungsspieler oder waren verliehen. Zudem hatten alle zu Zeiten ihre Verträge unterzeichnet, als der HSV noch wesentlich mehr zahlen konnte.

Was blieb den Verantwortlichen? Sie mussten ohne Geld eine Mannschaft aufbauen und neue Spieler einkaufen. Zudem sollte das Spielsystem komplett geändert werden. Das System, welches der HSV in den letzten Jahren spielte, ist nicht mehr zeitgemäß. Taktisch besser geschulte Mannschaften konnten die individuellen Stärken der HSV Spieler wettmachen. Die geschlossenen Mannschaftsleistungen reichten dann aus, um dem HSV seine Grenzen aufzuzeigen.

Welche Umbruchmaßnahmen wurden ergriffen?

  • Das Spielsystem wurde geändert.
  • Die Kondition der Spieler verbessert.
  • Die Mannschaft wuchs zu einem Team.
  • Junge und talentierte Spieler integriert.
  • Ältere und erfahrene Spieler durften gehen. (siehe oben)
  • Es blieb eine Achse von erfahrenen Spielern, die die junge Mannschaft führen sollte.

Das Spielsystem wurde in der Vorbereitung trainiert und einstudiert. Allerdings weiß jeder, dass so eine Umstellung nicht von heut auf morgen geht. Zudem in der Vorbereitung einige Spieler verletzt waren oder bei der Copa spielten.

Eine Systemumstellung wird durch Erfolgserlebnisse beschleunigt und leider durch Misserfolge gehemmt. Viele Spielzüge konnten in der Vorbereitung erkannt werden. Die Mannschaft trat als Einheit auf und spielte entsprechend. Gegen Bayern konnte beim Liga Total Cup schön beobachtet werden, wie das Selbstvertrauen durch die Führung wuchs und Bayern gut Paroli geboten wurde. Auch gegen Dortmund blieb es lange unentschieden. Zwar schwamm die Mannschaft, aber sie holte sich über die torlose Zeit Selbstvertrauen.

So ein Selbstvertrauen ist wichtig, um nicht nur neue Spieler, sondern auch ein neues System einzuspielen.

Bereits gegen Oldenburg konnte gesehen werden, wie es ist, wenn der Druck die Beine lähmt. Das Gegentor von Oldenburg zeigte das sehr deutlich. Genauso ging es in den nächsten Spielen weiter.

Gegen Dortmund und Bayern bekam die junge Mannschaft schnelle Gegentore, womit das Selbstvertrauen bis ins bodenlose sank. Gegen Hertha fing die Mannschaft unsicher an, da es das erste Heimspiel war und die Pfiffe gegen Valencia noch im Ohr klangen. Die Mannschaft wollte überzeugen, wollte die Fans auf ihre Seite holen und verkrampfte. Das führte dazu, dass Hertha immer sicherer wurde und der HSV noch mehr verkrampfte.

Trotzdem schaffte der HSV zwei Tore aus dem Nichts zu schießen und schien auf der Gewinnerstrasse. Leider passierte Drobny das Missgeschick was zum Ausgleich führte. So kurz vor Schluss, dass das Ergebnis nicht mehr verbessert werden konnte.

Was bleibt, ist eine junge Mannschaft, die sich noch finden muss und zudem ein neues System spielt, welches noch nicht automatisiert ist. Das Selbstvertrauen ist derzeit schnell zu erschüttern, aber ohne diese Sicherheit kann das Spielsystem nicht umgesetzt werden. Das ist ein Teufelskreis, der nach außen nur zeigt, dass die Mannschaft nicht funktioniert.

Somit blicken alle zum Trainer. Aber so einfach ist das nicht!

Denn im Grunde genommen wird der Trainer von seinen erfahrenen Spielern im Stich gelassen. Ein Drobny greift gegen die Hertha daneben, was zwei Punkte kostet. Westermann fabrizierte Stockfehler, die zu Gegentoren führten. Petric verweigert den Dienst und stellt jede Laufbereitschaft oder Einsatzwillen auf dem Platz ein. Jarolim hat in der Vorbereitung gezeigt, dass er in dem neuen System Probleme hat. Das schnelle Spiel wurde von ihm oft verlangsamt, weshalb er gegen Dortmund erst mal draußen saß.

Die Stützen, auf die Oenning und auch Arnesen bauten, lassen alles fehlen. Bis dato war noch kein erfahrener Spieler, der beste Spieler auf dem Platz. Das sagt doch alles. Die besten Spieler sind die Neuzugänge! Die jungen Spieler. Wenn es nicht läuft, können diese aber nicht mal eben eine neue Mannschaft führen. Für diesen Job stehen die Erfahrenen auf dem Platz.

Was bleibt dem Trainer, der mit ansehen muss, dass die erfahrenen Spieler – aus welchen Gründen auch immer – nicht die Leistung bringen, die eine junge Mannschaft benötigt?

Die Mannschaft mit den jungen Spielern muss ich selbst aus diesem Tal ziehen und dafür benötigt es die Fans. Sie können nicht auf ein automatisiertes System zurückgreifen und sich die Sicherheit holen, sie können sich nicht an den Erfahrenen anlehnen und daran wachsen, sie müssen sich ihr Selbstvertrauen durch Erfolgserlebnisse holen und hoffen, dass die Fans sie dabei unterstützen.

Die Fans haben außer in Valencia immer hinter der Mannschaft gestanden. Aber das Valenciaspiel hat den Spielern gezeigt, wie schnell das Stadion auch gegen sie pfeift. Hier muss Vertrauen wachsen zwischen Spielern und Fans. Denn eines wollen beide: Erfolg. Der geht derzeit nur gemeinsam. Es stehen keine Weltstars mehr auf dem Feld, auch keine Überflieger, sondern junge Talente.

Schafft es die Mannschaft mit Einsatz, Wut und Leidenschaft die Leistung zu steigern, werden die Fans hinter ihnen stehen und dann kommen auch die Punkte.

Was bleibt noch zu sagen?

Es wird nach drei Spielen gefordert, dass der Trainer ausgewechselt wird. So kurzfristig kann man eigentlich gar nicht denken. Denn ein neuer Trainer braucht auch Zeit, um sein System durchzuziehen. Man muss doch nur in der Bundesliga gucken, was die neuen Trainer da fabrizieren. Manche Mannschaften haben zwar ein paar Punkte mehr, aber sie Spielen genauso unterirdisch, wie es der HSV tut.

In der Bundesliga gibt es keine kleinen Mannschaften mehr, das wurde spätestens letzte Saison sehr deutlich. Also gibt es keine Aufbaugegner mehr, sondern man kann gegen jede Mannschaft verlieren. Deshalb bleibt nur die Ruhe zu bewahren, an den richtigen Stellschrauben zu drehen und weiterzuarbeiten. Der Erfolg wird kommen, wenn Ruhe bewahrt wird.

Es sind leere Kassen beim HSV. Was bedeutet, dass kein Geld für eine Abfindung des Trainers da wäre und schon gar nicht Geld für die Verpflichtung eines neuen Trainers. Es gibt ja noch nicht mal Geld für weitere Spieler, die dringend benötigt werden. Es gibt auch keine Vereine, die wirklich Geld zahlen für unsere Spieler, so dass man dadurch gesunden könnte.

Petric oder Guerrero wären Kandidaten. Oder Elia oder Jansen. Diese Positionen sind doppelt besetzt und könnten Geld in die Kassen spülen, allein, es gibt keine Vereine, die Geld zahlen möchten. Und verschenken werden wir die Spieler nicht. Also bleibt, ohne neue Spieler weiterzumachen.

Wenn aber nun bekannt ist, dass mit dem vorhandenen Material weiter gearbeitet werden muss, dann sollte jedem klar sein, dass es zum vorbehaltlosen Rückhalt keine Alternative gibt. Sollte diese Geschichte nicht funktionieren, dann sieht es für den HSV sehr, sehr düster aus. Damit es nicht soweit kommt, wäre es gut, wenn alles Ressourcen genutzt werden, um so gut und so schnell wie möglich durch zu starten.

In diesem Sinne

Nur der HSV!

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