HSV – Dortmund LIGA Total Cup 2011


Mit Verspätung konnte ich mir das Spiel um den Liga Total Cup ansehen. Aufgrund der Berichterstattung, die ich las, machte ich mich auf eine Vorführung von Dortmund gefasst. Sie würden den HSV schwindelig spielen und ich wollte sehen, wer da wie spielte, um meine Schlüsse zu ziehen.

Widererwarten war die Leistung des HSV nicht so schlecht

Tja, aber was bekamen meine Augen zu sehen? Also von einer Vorführung, konnte ich nichts erkennen. Mickel hat drei mal in der ersten Halbzeit sehr gut gehalten. Das war bei einem Freistoß, als Santana den Ball mit dem Kopf verlängerte und zwei Weitschüsse von Gündogan. Aber das sind Chancen, die werden immer entstehen, gerade, wenn man – wie der neue HSV – den Gegner spielen lässt und auf Konter wartet.

Mir fiel auf, dass der HSV jeweils ein paar Minuten brauchte, um im Spiel zu sein. Aber danach standen sie defensiv gut und nach vorne setzten sie Nadelstiche. Es wurde immer wieder schnell umgeschaltet. Das sah schon recht gut aus. Die beiden Tore für den HSV fielen innerhalb von zwei Minuten, wobei beide Male die Defensive nicht wirklich gut stand. Dazu zähle ich auch die beiden 6er.

Positive Erkenntnisse in der HSV Mannschaft

Mickel hat gezeigt, dass er der Nachwuchsmann ist, den Oenning forderte. Mickel stand nicht auf dem Zettel von Arnesen und Oenning, aber in der Vorbereitung konnte er beide überzeugen, so dass kein weiterer Bedarf auf dieser Position besteht. Er hat in der ersten Halbzeit drei Bälle hervorragend gehalten und auch in der zweiten Halbzeit entschärfte er einige Bälle. Am ersten Gegentor sah er etwas unglücklich aus, am zweiten konnte er nichts machen. Da ihm jetzt das Vertrauen ausgesprochen wurde, wird er weiter wachsen.

Mancienne spielt einen ruhigen, souveränen Part als Innenverteidiger. Er verteilt die Bälle, er gewinnt seine Zweikämpfe, er ist kopfballstark, obwohl er das als verbesserungswürdig deklarierte. Wenn die Wege zugestellt sind, spielt er mit dem Torwart. Er ist ständig anspielbar und weiß wo seine Mitspieler stehen. Ihn sehe ich als gesetzt.

Aogo und Diekmeier gehören für mich eindeutig zu den Gewinnern. Beide spielen einen souveränen Part auf ihren Außenverteidigerpositionen. Sie unterbinden so gut wie alles auf ihren Seiten und lassen nichts zu. Das erste Tor der Dortmunder wird zwar über die rechte HSV-Seite vorbereitet, aber in der Situation war Elia für den Flankengeber zuständig. Das zweite Tor fiel über die Mitte. Beide Spieler kurbeln jeweils das Spiel über ihre Seite an. Aogo strahlt eine Ruhe aus und initiiert viele Angriffe.

Kacar hat Anlaufschwierigkeiten. Ob es wirklich mit seiner Verletzung zu tun hat, mag ich nicht sagen, aber die Umstellung vom Innenverteidiger zum Abräumer fällt ihm sichtlich schwer. In jedem Spiel steigert er sich und hat die besten Aktionen in der zweiten Halbzeit, was für mich daraufhin deutet, dass er sich in die Spiele kämpfen muss. Er braucht einen gewissen Anlauf und dann ist er zur Stelle, was mir Hoffnung macht. Oenning mag die Spielweise von Kacar und er wird ihm die Spielminuten, die er braucht geben. Kacar wird das zurückzahlen.

Töre hat in diesem Spiel nicht so geglänzt, wie noch in den vorherigen Spielen, aber der HSV wurde auch in der Defensive wesentlich mehr gefordert. Da gab es nicht so viele Situationen, in der er sich auszeichnen konnte. Was allerdings auffällt, ist, dass er jederzeit weiß, wo ein freier Mann steht. Diese Übersicht ist phänomenal und zeichnet einen guten Spieler aus. Er setzt sich in den Zweikämpfen besser durch, als noch zu Anfang. Da schien es mir, als fehle ihm die Zweikampfhärte. Aber das war wohl nur wegen der Eingewöhnung. Seine Zuspiele sind immer so, dass jeder Mitspieler mit dem Ball sofort etwas anfangen kann. Es sind keine Alibi- oder Verlegehenheitspässe. Er hat ganz klar in der Vorbereitung gezeigt, wozu er in der Lage ist und deutet sein Potenzial an. Wird auf ihn gesetzt, bin ich davon überzeugt, dass er sich steigern wird.

Negative Erkenntnisse in der HSV-Mannschaft

Westermann ist für mich ein Verlierer der Vorbereitung. In der letzten Saison verteidigte ich ihn noch und ich glaubte daran, dass er sich steigern würde, wenn einige Quertreiber aus der Mannschaft verschwunden wären. Aber da habe ich mich getäuscht. Leider konserviert er seine schlechte Leistung. Besonders deutlich fällt er neben Mancienne ab. Westermann hält seine Position nicht, versucht seinen Mitspielern in Situationen zu helfen, wo keine Gefahr besteht. Durch sein Eingreifen verwirrt er nur alle – auch sich. Mancienne hat sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen lassen, was für ihn spricht. Die Abspielfehler werden nicht weniger, sondern gefühlt mehr. Seine gewonnen Zweikämpfe landen beim Gegner. Das war noch auffälliger, als noch letzte Saison. Das ist gar nichts und ich hoffe, dass Bruma schnell gesundet. Ihn selber habe ich noch nicht spielen sehen, aber Bruma wird von allen in höchsten Tönen gelobt. Sollte Bruma rechtzeitig fit werden und konditionell mithalten, sehe ich Westermann auf der Bank. So leid es mir tut.

Jarolim ist für mich der zweite Verlierer in der Vorbereitung. Ich hielt noch nie viel von ihm, aber ich ging davon aus, dass er an der Aufgabe die junge Mannschaft zu führen wachsen würde. Dem ist nicht so. Er spielte nur Fehlpässe, ging teilweise halbherzig zur Sache und lief viele unnötige Wege. Seine Pässe sind immer die Falschen. Ich frage mich, warum er nicht in der Lage ist, die eigenen möglichen Spielsituationen vorauszuahnen und entsprechend seine Mitspieler einzusetzen. Da auf dieser Position mit Tesche, der ja noch verletzt ist; Rincon, der zum Spieler der Copa gewählt wurde; mit Skjelbred ein Wunschspieler kommt und Besic sind, der seine Sache auf der 6er Position sehr gut machte, sehe ich Jarolim nicht gesetzt. Da muss mehr kommen, viel mehr.

Jansen. Was ist nur mit ihm los? Letzte Saison legte er sich mit Oenning an, als dieser ihm sagte, dass er an seiner Fitness arbeiten solle. Das Argument, er braucht Spiele um fit zu werden, ließ Oenning – zu recht – nicht gelten. Jansen schmollte. Erst als Löw ihm dieses in ähnlichen Worten sagte, wachte Jansen auf. Er lässt sich wohl nicht von jedem Trainer etwas sagen!? Also absolvierte er eine Woche vor Trainingsbeginn in den USA, aber was bitte schön hat das gebracht? Wie schwach wäre Jansen ohne dieses Zusatztraining? Er läuft auf dem Platz, als hätte er keine Kondition, als hätte er als einziger eine Vorbereitung durchlaufen, als würde ihm jeder Schritt schwer fallen. Ein Jansen kann bei seinen Leistungen beim HSV nicht erwarten, dass er gesetzt ist. Dafür waren die Leistungen zu schwankend und seine Forderungen unangemessen. Zumal Jansen auf dem Platz immer nur mit wilden Armbewegungen auffällt, wenn er meint allen Spielern sagen zu müssen, wo sie zu stehen haben. Aber der einzige, der ständig falsch steht oder läuft, ist er. Er sollte sich auf sein Spiel konzentrieren und Ansagen von Oenning ernst nehmen. Dann könnte es was werden. Sonst sehe ich für ihn beim HSV schwarz.

Ben-Hatira war der Aufsteiger in der letzten Saison. Er spielte auf der rechten Mittelfeldposition, verdrängte Pitroipa und ich erwartete viel von ihm. Er war lange Zeit abgeschoben, spielte in der zweiten Liga und dann in der zweiten Mannschaft. Ich glaubte, wenn er eine Vorbereitung mit der Mannschaft mitmacht, wenn er sein Selbstvertrauen durch die Spiele zurückgewinnt, dann startet er durch. Aber in meinen Augen macht er Rückschritte. Er will zu viel, denn an mangelnder Technik kann es nicht liegen. Aber ihm verspringen die Bälle, er hat kein Auge für den freien Mann, für die Räume, er ist unkonzentriert und unsicher. Spielzüge über ihn werden leider zu oft vertändelt. In dieser Form wird er gegen Töre den Kürzeren ziehen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten!

Veränderungen im HSV Spiel

Die Handschrift von Oenning ist deutlich zu erkennen. Es wird schnell gespielt und wenn es geht mit One-touch-Fußball. Es wird Druck auf den Ball ausgeübt, die Räume zugestellt und schnell umgeschaltet. Das sieht in Ansätzen schon sehr gut aus. Natürlich kann so eine Systemänderungen nicht mal eben umgesetzt werden. Das erwarte ich auch nicht bis zum Saisonauftakt gegen Dortmund. Das braucht länger und ich rechne erst nach dem 7 – 10 Spiel mit einer ordentlichen Umsetzung. Phasenweise sieht es jetzt schon gut aus, aber viele Situationen werden noch nicht so aufgelöst, wie sich Oenning das vorstellt. Aber diese Mechanismen müssen erst eingespielt werden. Da bin ich sehr zuversichtlich.

Ebenso ist deutlich zu erkennen, was Oenning von den Spielern erwartet. Diese versuchen es umzusetzen und vertrauen ihm. Fehler sind erlaubt, deshalb wird teilweise noch probiert und das gehört auch dazu. Als junger Spieler muss man das Vertrauen spüren auch Fehler machen zu dürfen, nur dann kann einer über sich hinaus wachsen. Selbst “Problemspieler” (laut Medien) erreicht Oenning. Hierzu zähle ich Elia und Töre. Beide strahlen eine Sicherheit und ein Selbstvertrauen aus, dass sie wissen, was Oenning von ihnen hält. Beide werden jeweils auf den Außen in der Saison für Furore sorgen. Natürlich ist das Spiel eines Elia oder Töre nicht so spektakulär. Aber die Mannschaft steht über den Spielern und beiden stellen sich in den Dienst der Mannschaft. Bleibt das so, werden sie von der Mannschaftsleistung profitieren und damit auch wieder glänzen.

Nach den beiden Spielen gegen Bayern und Dortmund im LIGA Total Cup bin ich sehr zuversichtlich. Die neue Saison kann kommen. Ob wir gleich von Anfang an durchstarten, glaube ich eher nicht, dafür ist die Mannschaft zu jung und unerfahren. Sie ist nicht eingespielt – wie auch – und braucht sicherlich ein paar Spiele. Dafür sah das gegen Mannschaften, die im Großen und Ganzen zusammengeblieben sind, erstaunlich gut aus. Die Laufbereitschaft und der Teamgeist ist in der Mannschaft kein Fremdwort mehr. Auch das ist ein Verdienst von Oenning und Arnesen.

in diesem Sinne

Nur der HSV!

 

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