HSV Erkenntnisse nach der Stuttgart Pleite

Wie wohl alle HSVer hätte ich mich über einen Sieg gefreut oder zumindest einem schönen Spiel. Denn bekanntlich gewinnt nicht immer die bessere Mannschaft. Aber was sahen wir gegen Stuttgart?Die ersten Minuten – es waren wohl 20 – konnte ich nicht sehen. Ich schaltete also den Fernseher ein, als der HSV bereits zurücklag und sich einem Feuerwerk von Angriffen der Stuttgarter gegenüber sah. 

Ich traute meinen Augen nicht und sah auf die Mannschaftsaufstellung, ob da etwas passiert ist, dass dieses Spiel erklären könnte. Aber ich fand nichts. Also sah ich mir die Spielweise der Stuttgarter an, die unser aller geschätzter HSV vor fast zwei Jahren auch spielte. Die Hinrunde – die beste aller Zeiten – war zum Träumen. Es wurde der Gegner in seiner Hälfte angegriffen, bei Ballgewinn sofort umgeschaltet und wir hatten Spieler, die die Tore machten. Meistens in den ersten Minuten oder ersten halben Stunde. Leider hat sich der damalige Trainer selber demontiert und steht jetzt bei den Gegner an der Linie. Schade, denn die ersten Spiele machten mut. Aber ein Trainer sollte nicht gegen seine Spieler arbeiten. Schade.

Aber was jammere ich und schwelge in alten Zeiten. Der HSV steht vor einem Umbruch. Es wurden einige Spieler genannt, die gehen sollen oder wollen (Ruud, Rost, Benjamin, Trochowski, Demel, Guerrero, Mathijsen) und einige, die unbedingt gehalten werden sollen (Zé Roberto, Jaroliim und Petric). Aber nach diesem Spiel frage ich mich, ob das der richtige Weg ist. Gut einem Zé schaue ich gerne zu. Seine Ballbehandlung ist einzigartig (na gut, fast) und seine Sprints, die er in der 89. Minute ansetzt, um dann doch noch den entscheidenden Pass für das Siegtor zu geben, sind weltklasse. Aber reicht ein Sprint oder drei in der letzten Viertelstunde? Denn öfters setzt er diese Sprints nicht an. Seine Ballbehandlung ist schön anzusehen, aber sie verlangsamt auch das Spiel. Und Petric! Was ist mit ihm los? Ich bin kein Freund von ihm, noch nie gewesen und nach seiner öffentlichen Anfeindung gegen Ruud ist er in meiner Gunst nicht gestiegen. Er ist nicht präsent, er gewinnt keine Zweikämpfe, er kann den Ball nicht halten und er vergibt seine Chancen. Seine Torquote mag gut sein, aber ist das wirklich alles? über Statistik wurde schon viel geschrieben. Wer sagt mir, dass wir nicht mehr Tore geschossen hätten, wäre er nicht auf dem Platz gewesen? Und Jarolim, nein, das kann es nicht sein. Ein Trochowski wurde ziehen gelassen, weil er meinte Kreisel drehen zu müssen statt das Spiel zu beschleunigen. Jarolim war immer anspielbereit – toll. Aber was hat die Mannschaft davon? Sie hat eine Anspielstation, die das Spiel verlangsamt. Wenn ihm der Ball gegeben wird, braucht kein Spieler einen Sprint ansetzen, denn der wäre umsonst. Ist es ratsam diese drei Herren zu behalten? Alle drei haben Schwierigkeiten mit dem schnellen Umschalten, mit dem schnellen Spiel. Aber genau das soll unter Oenning gespielt werden. Ein schnelles Spiel. 

Ich habe besonderes Augenmerk auf die Innenverteidigung gelegt. Entweder hat Kacar in den letzten Spielen schlechte Tage erwischt oder es zeigt sich, dass das nicht seine Position ist. Abgesehen davon, dass der Ball und der Rasen wohl so anders waren, dass kein HSV-Spieler den Ball annehmen konnte geschweige denn über 5 Meter zum eigenen Mann brachte, fragte ich mich bei vielen Aktionen unserer Innenverteidigung, warum es so schwer ist einen abgewerhten Ball einem MITspieler zuzuspielen. Auch Kopfbälle müssen nicht irgendwohin geköpft werden, auch diese können zum eigenen Mann kommen. Vielleicht ist Kacar auf Dauer mit der Position überfordert?! Auf alle Fälle wäre es wichtig, dass dort Spieler spielen, die die Zweikämpfe gewinnen, aber den HSV auch in Ballbesitz bringen. Wer wäre so ein Spieler? Vielleicht hat Arnesen so ein paar in der Hosentasche dabei, wenn er aus England oder London kommt.

Unsere Jugend. Ich wollte sie sehen und fragte mich, wo diese in der ersten halben Stunde war. Torun hat wohl schon längere Gespräche mit Stuttgart geführt, dass er so dem Gegner in die Karten spielte. Das war unterirdisch. Jeder Spieler darf Fehler machen, er darf einen schlechten Tage haben und wenn es ein junger Spieler ist, sowieso. Aber ich erwarte, dass ein Spiel gelesen wird und der Spieler nicht erst dann losläuft, wenn der Gegenspieler bereits den Ball am Fuß hat. Ein bisschen Zweikampfverhalten wäre von Vorteil. Das war gar nichts – leider. Obwohl er ab der 30. Minute zulegte. Ich freute mich wirklich, dass er sich zeigte und sich einsetzte. Seinen Lattenheber hätte ich ihm als Tor gegönnt. Die Auswechslung kam für mich dann doch überraschend, weil er dann zu den besten gehörte und voran ging. Wie auch Ben-Hatira. Auch er zeigte Herz und fing an zu kämpfen. Seine Ecken waren gefährlich und seine Dribblings erfolgreich. 

Mit den beiden Außenverteidigern bin ich soweit zufrieden. Obwohl eindeutig zu sehen ist, dass Aogo mit Elia nicht kann. Die beiden spielen so unterschiedlich, dass Aogo bei Elia nie mit nach vorne eingebunden wird. Das funkionierte früher mit Jansen viel besser und auch als Guerrero eingewechselt wurde, sah man deutlich den Unterschied. Da wurde Aogo gesucht! 

Wer sich aus der Mannschaft gespielt hat, war für meine Begriffe Elia und Petric. Was Elia spielt ist mir ein Rätsel, zumal er Aogo immer nur dann anspielt, wenn dieser mit dem Ball nichts anderes machen kann, also zurück zu spielen. Ich wollte Elia behalten, aber nach seinen letzten Auftritten – nein, bitte nicht. Auch Petric verstehe ich nicht. Aber vermutlich ist das Angebot, was er bekommen hat, mal wieder zu niedrig. Das hat sich in den letzten Jahren immer auf seine Leistung ausgewirkt, nicht nur beim HSV. 

Tesche kann nicht beurteilt werden. Er hat lange nicht gespielt. 

Son hat mir entgegen der Berichte von seinem Tief sehr gut gefallen. Ihn möchte ich sehen. Mal länger als nur ein paar Minuten.

Ich frage mich, ob ich nicht ein defensiven Mittelfeld mit Kacar und Besic besser fände. Besic und Kacar antizipatieren Bälle, sie laufen in die Räume, sind zweikampfstark und gut in der Spieleröffnung. Das fehlt uns. Beide können schnell spielen und haben ein Auge für den Mitspieler. Dazu auf den Außen Son und Ben-Hatira. Vorne im Sturm Guerrero und Torun. Das Besondere wäre, dass die Positionen gewechselt werden können, alle vier im Angriff können alle Positionen spielen. 

Da derzeit ein IV fehlt, würde ich Kacar dort erstmal die Saison zu Ende spielen lassen und Zé auf der 6 spielen lassen. Den Rest würde ich so lassen. Obwohl es kaum einen Rest gibt. 

Neue Spieler müssen für die IV kommen. Mit Besic, Tesche, Kacar, Rincon haben wir genügend 6er. Berg, Arslan, Bertram und Beister kommen zurück. Allesamt im Angriff. 

Ich traue Oenning und Arnesen den Umbruch zu, der schon mitten in Gange ist.

This entry was posted in Bundesliga, Saison 2010/2011, Spielanalyse and tagged , . Bookmark the permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>