Vorbericht: Hamburger Stadtderby HSV – FC St. Pauli


Der HSV lädt zum Stadtderby im eigenen Stadion. Die Kräfteverhältnisse scheinen klar. Da steht der Dino HSV gegen den Underdog St. Pauli und das im eigenen Stadion, vor den eigenen Fans, auf dem neu verlegten Rasen. Es ist angerichtet, die Stadt und die Fans fiebern dem Spiel entgegen. Und wie bei jedem David gegen Goliath kann nur David gewinnen.

Wie sieht es vor dem Spiel beim Gastgeber HSV aus?
Der HSV musste im letzten Spiel in Nürnberg eine herbe Schlappe schlucken. Nach zuvor drei Siegen in Folge wurde geträumt, von Europa und Champions League. Es wurde von drei Auftaktsiegen in Folge geträumt und von besseren Zeiten. Aber das Spiel in Nürnberg hat alle wieder auf den Boden zurückgeholt. Rechtzeitig für das Derby? Beim HSV gilt das Phänomen, dass nicht nur die Fans träumen, sondern auch regelmäßig die Spieler. Deshalb schafft die Mannschaft es nicht, bei den wichtigen und entscheidenden Spielen zuzulegen. Sie träumt und vergisst das Kämpfen, das Laufen, das Spielen. Deshalb folgt auf ein paar gewonnenen Spielen immer ein Knick. Wie sehr das gerade entflammte Selbstvertrauen darunter litt und ob die Spieler den Druck des Stadtderbys standhalten, wird sich am Sonntag zeigen.
Rechtzeitig zum Stadtderby sind die Personalsorgen zurückgekehrt. Die Abwehr muss mal wieder völlig neu zusammengestellt werden und es spielen Spieler, die nicht 100% fit sind. Mathijsen wird für den rotgesperrten Kacar auflaufen. Dadurch rückt Westermann, der mit einer Magendarmgrippe angeschlagen ist, auf die rechte IV-Position. Demel ist ebenfalls angeschlagen. Alternative? Benjamin ist noch nicht fit, Rincon eine Wundertüte – mal gut mal schlecht.

Es harkt in der offensiven Abteilung. Elia und Pitroipa zeigten in der Rückrunde selten bis gar nicht, was sie könnten. Ruud war ein Schatten seiner Selbst, Petric nach seiner langen Verletztenpause noch nicht im Rhythmus, Guerrero nicht vorhanden. Ben-Hatira läuft wohl doch zu viel, so dass in Nürnberg der Akku leer schien. Die beiden 6er-Positionen mit Zé Roberto und Jarolim spielen solide. Aber das ist für diese beiden Namen nicht genug. Gerade von Zé Roberto wird mehr erwartet, er soll die ordnende Hand sein, aber versteckt sich, wenn es nicht läuft. Er glänzt erst, wenn die Mannschaft auf einem hohen Niveau spielt.

Was bleibt an Hoffnung für das Stadtderby?
Der Kredit der Hinrunde wurde komplett verspielt. Die drei Siege – egal wie dreckig erspielt – waren ein Lichtblick, der auf alle hätte überschlagen können, aber dieser Lichtblick wurde in Nürnberg ausgelöscht. Alle sind ratlos: Die Fans, die Spieler, die Führungsetage.

Wie zeigt sich der HSV in diesem brisanten Duell? Der Druck liegt klar auf Seiten des HSV. Alles andere als ein Sieg wäre eine Schande. Zum einen, weil gegen den kleinen Nachbarn nicht deutlich und hoch gewonnen wurde, zum anderen, weil Europa wieder in weite Ferne rücken würde. Verlieren kann nur der HSV.

Erhofft wird eine Explosion, eine Leistungssteigerung, eine Mannschaft, die sich zerreißt und alles gibt. Erhofft in zwei Richtungen. Die Fans könnten mit so einer Leistung zurückgewonnen werden. Sie verzeihen gerne, wenn die Mannschaft etwas anbietet. Und um den Gegner zu zeigen, wer Herr im Haus ist. Der Gegner wird genau das tun. Er weiß von vornherein, dass nur Kampf und Wille auf ihrer Seite stehen. Keiner erwartet von St. Pauli, dass sie spielerisch glänzen, keiner, dass sie gewinnen, allenfalls ein Unentschieden. Ein Unentschieden wäre machbar, wenn kein Gegentor zugelassen wird. Alle Gäste in der HSV Arena wissen, dass ein tiefstehender Gegner für den HSV eine unüberwindbare Hürde darstellen. Wird dazu noch Kampf angeboten ist mit ein wenig Glück sogar ein Sieg drinnen. Das ist das Spiel des St. Paulis und spielt ihnen in die Karten.

Wie wird sich die Mannschaft präsentieren? Wen wird Armin Veh aufstellen?
Er braucht Spieler, die gegenhalten können und sich nicht zurückziehen, wenn sie auf die Socken bekommen. Aus diesem Grunde würde ich einen Elia und Pitroipa nicht spielen lassen. Beide mögen es nicht, wenn ihnen einer auf den Socken steht. Ihnen fehlt das Kämpferherz, dass sie nach ein paar Tritten erst Recht zulegen. Jansen und Ben-Hatira sind Spieler, die wollen und kämpfen bis zum Schlusspfiff. Das wäre passend für das Spiel. Zumal Ben-Hatira seine Stürmer sucht und diese ständig bedient. Das würde helfen sich wieder Torchancen zu erarbeitetn. Ein Jansen läuft zur Torauslinie und versucht jeden Lauf mit einer Flanke abzuschließen. Auch er sucht seine Stürmer. Und gute Stürmer hat der HSV. Es werden Ruud und Petric stürmen. Beide sind erstklassige Spieler, beide können aus dem Nichts Tore schießen. Wen wird er auf der 6er Position spielen lassen? Jarolim denkt zu langsam und verschleppt dadurch das Spiel. Er ist keiner, der in einer brenzligen Situation den Überblick behält. Rincon wäre eine Alternative. Er ist einer, der kämpft und beißt. Er gibt immer alles und gewinnt viele Zweikämpfe. Mit seiner Spielart zeigt er seinem Gegner, dass nichts zu holen ist. Leider ist er manchmal übermotiviert. Dann kommt er entweder zu spät in die Zweikämpfe oder er reißt durch sein Stellungsspiel Löcher für die Gegner. Diese Aktionen führen zu unnötigen Fouls und gelben Karten. Das ist ein Risiko und nur Armin Veh kann sagen, in welcher Verfassung er sich befindet. Vom Kampfeswillen wäre er genau richtig – gerade neben einem Techniker wie Zé Roberto. Rincon mit dem richtigen Maß, würde dem HSV sehr gut tun. Die Abwehr ist leider wieder eine Baustelle. Armin Veh würde normalerweise keinen Demel und keinen Mathijsen spielen lassen. Aus Mangel an Alternativen werden sie auflaufen. Bei Mathijsen hoffe ich auf seine Routine. Bei Demel sehe ich schwarz. Sein Kredit vom Spiel gegen Schalke hat er bei mir in den letzten beiden Spielen schon wieder verspielt.

Der FC St. Pauli.
Auch Stanislawski hat Verletzungssorgen in der Abwehr. Wie schwer das wiegt, kann ich nicht sagen, da der Trainer seine Mannschaft oft und regelmäßig verändert. Die Mannschaft ist mit den letzten Spielen gewachsen, hat Selbstvertrauen aufgebaut und kommt mit breiter Brust ins Stadion. Mittlerweile wissen wieder alle Spieler, dass es nur gegen den Abstieg geht, denn auch da träumten einige von mehr. Seit dem sie sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren, punkten sie. In diesem Spiel haben sie nichts zu verlieren und können alles gewinnen. Das sind Spiele, die liebt jeder Spieler. Die Frage wird sein, was Asamoah gegen unsere Wackelabwehr gelingt und wie viele Fouls das wuselige Mittelfeld erhalten wird.

Trotz aller Skepsis rechne ich mit einem Arbeitssieg für den HSV. Zweimal wird sich der HSV über seine Außen durchsetzen und jeweils einen Stürmer bedienen. Der HSV gewinnt 2:0. Und dann können wir alle wieder träumen.

Nur der HSV!

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