Wirkung der Medien


Verwundert blicke ich auf das Fußballgeschehen und auf deren Berichterstattung.

Ein Beispiel ist die Torwartfrage am Anfang der Saison. Veh wollte, dass Drobny geholt wird, weil dieser Torwart bei Hertha BSC teilweise Weltklasse hielt und sich ablösefrei auf dem Markt aufhielt. Warum nicht zugreifen? Zumal Hesl nicht den starken Eindruck eines Kraft bei Bayern vermittelte. Hesl hielt keine Unhaltbaren und strahlte auch nicht aus, dass er das könnte. Einen erfahrenen Torwart verpflichten, der seine Qualitäten im Spiel nach vorne hat, der mitspielt und so eine Abwehr entlasten kann. Aber was wurde daraus gemacht? Gut, es war noch Sommerloch, aber die geäußerte Meinung wurde niemals in Frage gestellt oder revidiert. Also lag es nicht am Sommerloch, sondern an der Art wie Journalismus heutzutage funktioniert. Es musste eine Headline her. Etwas was aufrüttelt und den Fall eines Helden zeigt, wirkt am besten und bringt das meiste Geld. Also wurde „Rost soll entmachtet werden“ geboren. Armin Veh hat zu keiner Zeit gesagt, dass Rost nicht mehr im Tor stehen soll. Bei Veh entscheidet das Leistungsprinzip, wie bei jedem guten Trainer. Also galt das auch für Rost und Drobny. Der bessere Torwart würde spielen. Selbst als Veh sich für Rost entschied, weil er den besseren Eindruck machte, wurden diese Aussagen in Frage gestellt. Das wäre für die ersten Spiele, bis Rost einen Fehler macht und dann würde Veh endlich seinen Torwart installieren. Diese Unterstellungen fand ich schlimm, entbehrten sie doch jeglicher Grundlage. Aussagen, dass Drobny ein paar Spiele bekommen würde, heizte diese Diskussion in den Medien wieder an, obwohl es zum Beispiel in England normal ist, dass in Pokalspielen die Ersatzleute spielen. In Deutschland wartete man täglich auf den Moment, dass Drobny ins Tor kommt. Fast schon traurig reagierte die Presse, als Rost nach seiner Verletzung ohne Diskussion ins Tor zurückkam und es keine Wachablösung gab. Wie herrlich hätten die Headlines klingen können. So war es langweilig und keine Zeile wert.

Der nächste Punkt ist Bastian Reinhardt. Bastian Reinhardt hat keinerlei Erfahrungen als Trainer, Sportdirektor oder im Management. Er kann nur ein Praktikum in der Geschäftsstelle vorweisen. Er ist nicht auf den Mund gefallen, ist intelligent und kann über den Tellerrand schauen, deshalb wurde ihm die Stelle als Assistent angeboten. Er war kein Nationalspieler und er kennt die Mechanismen beim DFB nicht. Das alles ist nicht schlimm, sollte Bastian Reinhardt langsam neben einem Fachmann aufgebaut werden. Er sollte in ein paar Jahren – analog Nerlinger bei Bayern – aufgebaut werden, damit er in diesen Posten hineinwächst. Dieser Fachmann wurde zwar angeheuert, aber dieser ging bevor er anfangen konnte. Also stand Bastian Reinhardt alleine vor einer Mammutaufgabe, immerhin ging es um den sportlichen Bereich beim HSV. Bei kleineren Vereinen, bei denen kein Erfolg erwartet wird, ist eine Installation eines Neulings einfacher und mit weniger Medienaufkommen ruhiger durchzuführen. Beim HSV sind bei jeder Pressekonferenz zu einem Bundesligaspiel mehr Presseleute als zu allen Heimspielen von Freiburg zusammen. Beim HSV kann nicht in Ruhe aufgebaut werden, weil der HSV ein großer Verein ist, dem von allen Seiten auf die Finger geschaut wird. Also suchte der Verein weiter nach einem Fachmann, der Bastian Reinhardt einweisen und die sportlichen Geschicke lenken sollte. Als der Name Günter Netzer erwähnt wurde, sprachen die Medien von einer Demontage Reinhardts. Klingt gut, ist aber völlig falsch. Zumal Reinhardt nicht ersetzt werden sollte, sondern wie von Anfang an besprochen, als Assistent herangeführt werden sollte. Es wurde intensiver mit Sammer gesprochen und wieder wurde von einer Entmachtung Reinhardts gesprochen. Ich weiß nicht, ob durch die Medien oder ob Reinhardt auf die Idee kam, dass er ein gleichwertiger Ersatz für einen erfahrenen Sportdirektor wäre. Er ist es nicht, aber er kann es werden. Das wurde auch nie in Frage gestellt. Nun möchte sich Reinhardt besser positionieren und mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Autorität hat man, aber man kündigt es nicht an. Respekt, den Reinhardt einfordert, muss man sich erarbeiten. Seine Außendarstellung hat mit Autorität und Respekt nichts zu tun. Reinhardt ist ein Anfänger – egal, wie oft er mit der Faust auf den Tisch haut. Er kann durch Erfolge auf sich aufmerksam machen. Aber nicht, in dem er sich öffentlich wundert, dass ihm ein Experte an die Seite gestellt werden soll, was von Anfang so geplant war. Dass sich Reinhardt Hoffnung macht irgendwann alleiniger Sportdirektor zu sein, ist löblich, aber dafür sollte er anfangen, an seinem Profil zu arbeiten.

Ich weiß nicht, in wie vielen Medien ein Artikel über Ruuds stand, dass er den HSV im Sommer verlässt. Das wird dargestellt, als wäre es eine Besonderheit, die es zu erzählen gibt. Als Headline macht sie sich auch gut. Aber was steckt dahinter? Ein Ruud van Nistelroy wollte den HSV im Januar verlassen, nach dem dieser ihn aufgebaut hat und nun die Früchte ernten wollte. Hätte man ihn gehen lassen, wäre er bereits jetzt schon weg und nicht erst im Sommer. Ruud erzählt seit einem Jahr, dass er im Frühling überlegen wird, ob er ein Jahr verlängert. Aber bevor der Spieler überlegt, ist doch die Frage, ob der HSV überhaupt an einer Vertragsverlängerung interessiert ist. Immerhin ist seine Torquote für sein Gehalt unterirdisch. Der HSV und die Fans haben sich mehr versprochen und haben sicherlich kein Interesse einen abwanderungswilligen Spieler zu diesen Konditionen zu halten. In den Medien wird über die Nichtverlängerung von Ruud geschrieben, als hätte der HSV die nächste Baustelle. So einen Spieler will in Hamburg keiner sehen. Deshalb wundert mich diese Art der Berichterstattung. Warum wird einem Spieler, der sich sogar freikaufen wollte, so ein Raum gegeben? Grund: Er würde nach seinem Karriereende in Madrid leben wollen. Meine Meinung, ihm wird auch ohne Vertrag ein Haus in Madrid verkauft. Schade nur, dass Ruud eine Plattform bekommt, die einem Vertragsbrüchigen nicht gebührt. Er wurde aufgebaut und ihm wurde ein Vertrauensvorschuss genehmigt, weil auf viele Tore gehofft wurde. Die Tore hat er nicht geschossen, das Vertrauen war ihm egal und er wollte dahin zurück, wo sie ihn vor einem Jahr fortschickten. Aber die Medien haben ein neues Thema und deshalb wird Ruud mit seinen Wechselabsichten zum Ende der Saison groß und breit veröffentlicht.

Die Medien sind für den Sport sehr wichtig, aber sie manipulieren, damit die Quoten stimmen. Hier ist ihnen jedes Mittel recht, aber wer soll da den Überblick behalten und objektiv bleiben? Es wird bei der Fülle an Einflüssen immer schwieriger. Hinzu kommt, dass viele Zeitungen voneinander abschreiben, so dass sich eine falsche Nachricht potenziert und sich als Meinung festigt.

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