Armin Veh – (k)ein HSV-Trainer


Armin Veh kam im Sommer 2010 zum HSV. Sein Ruf war zwiegespalten und seine Erfolge wechselten sich mit seinen Misserfolgen ab. Er wurde der nächste HSV-Trainer und sollte es besser als seine Vorgänger machen.

Der Werdegang von Veh als Trainer.
Er schaffte mit Augsburg und Reutlingen den Aufstieg in die 2. Liga. Mit Hansa Rostock verbuchte er den Nichtabstieg. Mit dem VfB Stuttgart erreichte er im ersten Jahr einen 9. Platz, um im zweiten Jahr die Deutsche Meisterschaft und den Einzug ins Pokalfinale zu feiern. Im Jahr nach der Meisterschaft musste seine junge Mannschaft mit dem Druck zurechtzukommen und belegte am Ende den 6. Platz. Im Jahr drauf trennte sich der VfB von ihrem Trainer. Das Kapitel Wolfsburg war eines, bei dem Veh nur verlieren konnte. Jeder erwartete die Meisterschaft und am besten viele Siege in der Champions League. Veh übernahm eine Mannschaft, die auf Felix Magath als Trainer zugeschnitten war und dem Erfolgsdruck nicht standhielt. Nach einem halben Jahr wurde er freigestellt.

Was zeichnet Armin Veh als Trainer aus?
Armin Veh hat ein Auge für Talente und etabliert junge Spieler. In dem Zusammenhang wird Mario Gomez stellvertretend genannt. Veh möchte spielerisch gewinnen. Seine Mannschaft soll Druck ausüben und das Spiel kontrollieren.

Die Situation beim HSV
Beim HSV wurden die Trainer reihenweise entlassen, die Erwartungshaltung ist gigantisch, denn Champions League sollte es mindestens sein. Unzufriedenheit herrscht, wenn die Mannschaft sich hinten reinstellt und mit Glück gewinnt. Die Siege sollen herausgespielt sein. Dreckige Siege werden wie Niederlagen betrachtet. In der Führungsetage herrscht Unruhe. Armin Veh plante mit einem Urs Siegenthaler, dem Bastian Reinhardt zur Seite steht. Zur Vorbereitung waren diese Pläne Makulatur. Zumindest Bastian Reinhardt blieb ihm erhalten, aber dieser konnte ihm als Neuling anfangs keine große Hilfe sein.

Saisonverlauf
Die ersten beiden Spiele wurden gewonnen und der HSV spielte offensiv stark und defensiv mit Schwächen. Es folgten Begegnungen, in denen die Schwäche des HSV zu Tage trat. Trafen sie auf tief stehende Gegner, fiel der Mannschaft nicht viel ein. In solchen Spielen dürfen sich in der Verteidigung keine Fehler erlaubt werden. Aber Gegentore fielen durch individuelle Fehler oder schwachem Defensiverhalten. So folgten zwei Unentschieden sowie zwei Niederlagen gegen offensivstarke Mannschaften wie Bremen und Wolfsburg. Der HSV schien sich zu fangen, gewann zwei Spiele, ohne zu glänzen. Gegen Bayern spielte die Mannschaft unentschieden, was erst wie ein Sieg gefeiert wurde, aber nach den weiteren Ergebnissen von Bayern als Niederlage gewertet werden muss. Es folgten Niederlagen gegen Köln, Dortmund, Hannover, Freiburg und Leverkusen, die den Fans weh taten. Da konnten die Siege gegen Hoffenheim, Stuttgart und Gladbach nicht wirklich viel retten.

Leistungen des Trainers
Armin Veh zog sich gleich ein paar junge Spieler hoch. Er überraschte viele mit den Personalien Son und Besic. Beim HSV bereits viele junge Spieler: Torun, Choupo-Moting, Aogo, Diekmeier, Stepanek, Pressel, Elia, Tesche und Kacar. Keiner konnte nachvollziehen, dass er zusätzlich zwei 18-jährige Talente mit in den Profikader nahm. Aber mit diesen beiden Spielern bewies Armin Veh sein Auge für Talente. Nicht nur Son, sondern auch Besic überzeugte.
Armin Veh schaffte es, aus einem zappeligen Pitroipa, einen konstanten und gefährlichen Angreifer zu formen. Pitroipa spielte in der Startelf und rechtfertigte das Vertrauen mit guten Leistungen. Sein Tor gegen Bremen war Weltklasse. Pitroipa schießt noch zu wenig Tore, ist aber neben Zé Roberto der beste Torvorbereiter.
Armin Veh hat Spielern eine Pause gegönnt, wenn diese sie benötigten, und hat sie spielen lassen, wenn sie fit waren. Er scheint zu wissen, wann welcher Spieler welchen Einsatz benötigt. Auch seine Wechsel während des Spiels waren nachvollziehbar und zur rechten Zeit.
Armin Veh hat ein Auge für das Spiel der Gegner. Der HSV kam jedes Mal gestärkt aus der Halbzeitpause. Die Leistungen vor und nach der Halbzeit zeigen, dass Veh die richtige Ansprache bei den Spielern trifft. Diese Steigerung nach der Pause sehe ich sonst nur bei Dortmund.
Die Analysen von Veh sind ehrlich und auf den Punkt. Er redet nicht drum herum und hat Humor. Aber er ist nicht nur nett. Die Aktion gegen Trochowski direkt auf dem Platz nach der Niederlage gegen Werder, war diskussionswürdig. Ich fand die Reaktion menschlich. Trochowski ist ein begnadeter Techniker, der dreimal in ein unnötiges Dribbling ging und durch den Ballverlust drei gefährliche Konter einleitete. Der letzte Konter war der Siegtreffer von Bremen. Nach dieser Aktion wirkte Trochowski erwachsener. Er zeigte sich im Training und bekam seine Chance. In den anschließenden Spielen zauberte Trochowski nicht mehr, sondern konzentrierte sich auf das Spiel und spielte sachlich und gut. Seine Leistung war auf einem konstant gutem Niveau, die er so beim HSV noch nie zeigen konnte. Armin Veh kitzelte aus Trochowski heraus, was vor ihm keiner schaffte. Veh bewies auch, dass er junge Spieler aufbaut und für das Spiel richtig einstellt. Das zeigten die sehr gute Leistungen, von Son, Torun, Ben-Hatira oder Choupo-Moting.

Kritikpunkte
Er hielt zulange an Zé Roberto als Linksverteidiger fest. Hat mit dem 4-2-3-1 System für Aufregung gesorgt und wechselte Mitte der Hinrunde auf 4-4-2 zurück. Er ließ Sowah nicht spielen und auch einen Besic nur, wenn es die Situation erforderte. Er machte den Neuzugang Westermann zum Kapitän, was den Druck auf ihn erhöhte. Westermann ist einer der besten Verteidiger laut Statistik, allerdings erlaubt er sich in fast jedem Spiel Klopper, die ihm die Fans verübeln und seine Leistung schmälern.

Der Trainer wird bei einer Großzahl der Fans sehr kritisch gesehen und sie möchten ihn lieber heute als morgen austauschen. Das allerdings kann ich nicht nachvollziehen.

Jeder Trainer benötigt eine Einarbeitungsphase, in der sich die Mannschaft an die Vorgaben des Trainers gewöhnt und einstellt. Der HSV hatte so viele Verletzte, wie sonst keiner in der Bundesliga. Es gab kein Spiel, in dem mit derselben Mannschaft gespielt werden könnte. Automatismen stellten sich nicht ein und die Niederlagen verunsicherte die Mannschaft zusätzlich. Armin Veh konnte nicht zeigen, zu was seine Mannschaft fähig ist, wenn sie von Verletzungen verschont bleibt und sie sich einspielen und finden kann.

Ich würde mir wünschen, dass man die Rückrunde abwartet und Armin Veh mehr Vertrauen entgegen bringt. Anlaufschwierigkeiten hatten auch Trainer wie van Gaal oder Jürgen Klopp. Gerade bei Klopp sieht man, was es heißt an einem Trainer festzuhalten, auch wenn der Beginn holprig war.

Ich freue mich über eure Kommentare, aber gerne diskutiere ich auch mit euch bei hsv@spox.com.

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