Ruudimentärer Auftaktsieg gegen Schalke


Ich wiederhole mich in diesem Falle gerne. Ruud wird Torschützenkönig und der HSV Meister, denn, immer, wenn Ruud Torschützenkönig wurde, gewann sein Team die Meisterschaft. Genial Ruud!

Aber ich möchte die Mannschaft nicht vergessen. Ich beginne mit einer Einzelkritik, bevor ich noch etwas zur Teamleistung sage.

Rost: Ein sicherer Rückhalt, er hielt, was zu halten war und das in einer souveränen Art. Ganz toll. Er strahlt Ruhe aus, er passt sich mit seinen Abspielen der Taktik an und dirigiert von hinten. Ganz stark!
Demel: Hinten steht er noch  nicht ganz sicher, aber ich habe ihn besser gesehen, als die ganze letzte Saison. Man sieht, dass er noch nicht bei 100% ist. Er ist bemüht, er will und er beißt. Das war gut und ich hoffe, dass er seine Seite dicht macht, wenn er seine konditionellen Defizite aufholt. Sein Flankenlauf, der zur Torchance von Ruud führte, war absolut sehenswert. Er hat sich durchgebissen, hat nie die Übersicht verloren und hat den nötigen Zug gezeigt. Das fehlte mir oft bei ihm im letzten Jahr.
Westermann: ich bin so froh, dass wir ihn hinten drinnen haben. Sein Kopfballspiel ist absolute Weltklasse – vorne wie hinten. Er entschärft so viele Bälle, hat auch am Boden sehr viele Bälle antizipiert, so dass viele Konter oder Angriffe der Schalker entschärft wurden. Er baut das Spiel von hinten auf, versucht immer die Bälle in den Fuß der Mitspieler zu spielen, was immer besser klappt. Er ist auch noch nicht bei 100%, dass sieht man ab und an. Aber das wird er – genau wie Demel – die nächsten Wochen aufholen und dann sehe ich unsere Verteidigung sehr stark. Das wird ein Garant für viele Siege werden.
Mathijsen: Er brauchte etwas um ins Spiel zu kommen, wurde dann aber immer besser. Die Abstimmung kann mit Westermann noch nicht 100% funktionieren, aber sie harmonieren sehr gut. Die eine oder andere Szene, wird in den nächsten Wochen abgestellt und dann stehen die beiden sicher hinten drinnen. Bei Mathijsen hat man gesehen, dass ihm das gut tut, wenn er seinen Nebenmann nicht dirigieren muss. Er konnte sich auf sein Spiel konzentrieren, was ihm sehr gut getan hat. Er wurde von Minute zu Minute besser. Er ging beherzt in die Zweikämpfe.
Jansen: Er hat viel gearbeitet und sich mit Elia sehr gut verstanden. Die beiden haben miteinander gesprochen, haben sich abgestimmt und sich gegenseitig geholfen. Sehr gut, das möchte ich gerne 34 Spiele sehen. (Nur Bundesliga) Nach hinten stand er nicht immer gut, manchmal war er auch zu übermotiviert, wollte Bälle abfangen, die er nicht bekam. So konnte Schalke zwei Mal sehr gefährlich kontern. Durch seinen Einsatz macht er viel wieder wett. Er sprintet immer hinterher, gibt nie auf und hat so noch einige Bälle entschärfen können. Musste leider verletzt nach einem Sprint raus. Hoffentlich keine Zerrung oder Muskelfaserriss.
Jarolim: Habe ich jemals so eine gute Leistung von ihm gesehen? Er hat so viele Bälle abgefangen, ich musste schon gucken, ob er geklont wurde und doppelt über den Platz läuft. Er hat viele Angriffe eingeleitet, schnell gespielt, wenn es passte, aber auch mal verlangsamt, wenn es angebracht war. Wenige Fouls von ihm, aber viele gegen ihn. Ganz stark und zurecht vor Kacar aufgestellt. In der Vorbereitung sah ich das noch anders, aber er hat mich komplett überzeugt.
Zé Roberto: Dieser Mann ist keine 36, sondern 26 Jahre. So wie er über den Platz läuft, wie er den Ball beherrscht, ihn verzaubert – es sieht aus, als würde der Ball mit einem Magneten an seinem Fuß hängen. Sein Sprint über 80 Meter, der zum Siegtreffer führte – unbeschreiblich. Er behält die Übersicht, er sieht seinen Nebenmann, er spielt auf den Zentimeter da hin, wo er hin soll. Gutes Auge und Passspiel. Auch als Linksverteidiger hat er überragend gespielt. Er brauchte ein wenig Anlauf, aber dann stimmte es und er war nicht mehr zu bremsen.
Pitroipa: Schafft Veh es tatsächlich aus ihm die Prozente rauszukitzeln, die ihm in den letzten Jahren immer fehlten? Er hat natürlich auch Bälle verloren, manches Dribbling war unnötig, aber er war präsenter auf dem Platz. Er hat die Bälle gefordert, er ging zum Kopfball hoch, er wollte ein Tor, er hat aber auch immer zu seinen Nebenleuten geschaut. Heute habe ich mir gedacht, dass aus ihm vielleicht wirklich noch was werden kann. Besonders sein Engagement im Zweikampf habe ich genossen. Sonst ist er schnell hingefallen und hat stundenlang zum Schiedsrichter geschaut. Heute aber hat er gekämpft und gebissen. Er ist mit zurück, hat die Räume eng gemacht und sich ins Team integriert. Ganz stark.
Petric: Sollte das wirklich noch was werden mit Petric und Ruud? Anfangs haben sich die beiden oft abgeklatscht, um wohl auch nach außen zu zeigen, dass sie zusammenpassen. Petric hat erste Halbzeit nicht wirklich ins Spiel gefunden. Am Ende der ersten Halbzeit wurde es besser. Ab da liefen auch mehr Spielzüge über ihn. Er musste sich auf dieser Position erst einspielen, was ihm immer besser gelang. ER hat versucht mit Ruud zusammen zu spielen. In der zweiten Halbzeit, meinte er sich bei Ruud beschweren zu müssen, weil er nicht angespielt wurde. Aber Petric war erst anspielbar, als der Ball schon längst bei den Zuschauern lag. Das war unnötig! Aber das war die einzige Szene, die auf eine Rivalität hinwies.
Elia: Wirkte heute nicht so präsent. War manchmal etwas abwesend. Trotzdem mit vielen Dribblings und Flanken zu seinen Mitspielern. Er spielt eine gute Mischung, so ist er schlecht ausrechenbar. Seine Vorlag zum Führungstreffer war sensationell und ich hoffe, dass er das beibehält. Er kann dribbeln, aber muss immer wieder auch an seine Mitspieler denken. Tut er dies, wird er mit Pitroipa zusammen, eine geniale Flügelzange bilden, um die uns viele beneiden werden.
Ruud: Ja, und nun kommt der Sturm dran, obwohl wir eigenltich mit vier Stürmern spielen. Ruud war präsent, er geht voran und er führt, wenn es eng wird. Er kämpft und er dirigiert. Das alleine ist schon gut, aber nun kommt seine Torgefahr hinzu! Sein Freistoß – aller erste Sahne, leider nur Latte. Seine beiden Tore – aller erste Sahne. Seine beiden Fehlversuche – ich werde darüber hinweg sehen. Ruud ist topfit, er hat durch Veh seinen Platz bekommen und wenn er gefüttert wird, macht er seine Tore. Das wird hoffentlich noch ganz oft so sein.
Guerrero: Er hat ein bisschen gebraucht, um mitzuspielen. Aber seine Ballannahmen sind einfach nur zum mit der Zunge schnalzen. Anfangs hat er das Spiel oft langsam gemacht, aber dann fand er hinein und spielte gut mit. Er hat die Bälle behauptet und festgemacht, bis nachgerückt wurde.
Kacar: Hat ordentlich gewirbelt, als er reinkam. Er hat mir gut gefallen. Er wird noch kommen, er braucht ein wenig, aber dann wird er helfen. Ganz sicher.
Rincon: Hat sich gut eingefügt. Für ihn ging Zé Roberto auf die Linksverteidigerposition. Er hat die Räume eng gemacht, aber sich zu tief hinten reindrängen lassen. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass er weiter vorne angreift.

Mannschaftsleistung:
Ich habe heute endlich mal Tugenden gesehen, die teilweise schon in der Vorbereitung zu sehen waren, aber heute ganz deutlich. Die Mannschaft ist dabei eine Einheit zu werden. Ob sie das bei Krisen bleiben wird, wird sich zeigen müssen. Aber sie hält zusammen. Jeder kämpft für jeden und sie feuern sich an. Es wird nicht fertig gemacht, sondern angefeuert. Es ließ keiner den Kopf hängen, wenn es nicht klappte, sondern sie gingen hinterher. Auch die Defensivarbeit hat mir gut gefallen. Gerade die äußeren Mittelfeldspieler wie Pitroipa und Elia, waren oft mit hinten und haben die Bälle gewonnen. So haben sie die Abwehr entlastet und es konnten gefährliche Konter gesetzt werden. Was ich bemängeln muss ist die Chancenauswertung. Die wird hoffentlich noch verbessert. Das Torverhältnis kann noch mal ausschlaggebend sein.

Ich denke, die Handschrift von Veh hat man gesehen. Es war mehr Engagement und nicht nur nach vorne, wie letzte Saison. Seine Auswechslungen waren alle gut und auch rechtzeitig. Sobald ein Spieler andeutete, dass er  angeschlagen war, wurde umgehend reagiert. Leider muss sowas nach dem letzten Trainer als positive Eigenschaft des Trainers erwähnt werden. Was ich gut fand, war, dass Veh kritisch die Leistung bewertete und nicht alles gut sah. Er weiß genau, wo er ansetzen muss und was noch verbessert werden muss. Bleibt die Mannschaft als Einheit zusammen, behält sie ihr Engagement nach hinten, dann kann es eine schöne Saison werden.

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